DNA

Für mich ist ein DNA-Test keine „endgültige Antwort“, sondern ein weiteres Werkzeug der Familienforschung. Er ersetzt weder Kirchenbücher, Archivquellen noch Familiengeschichten – vielmehr ergänzt, bestätigt oder hinterfragt er die Erkenntnisse aus der klassischen Ahnenforschung.

Die Interpretation genetischer Ergebnisse ist besonders spannend, aber nicht immer einfach. Ethnizitätsschätzungen sind keine exakten Herkunftskarten, sondern statistische Modelle, die zeigen, welchen heutigen Bevölkerungsgruppen meine DNA am ähnlichsten ist.

Ethnizitätsschätzungen

Sowohl die Ergebnisse von MyHeritage als auch von Ancestry zeigen, dass mein genetischer Hintergrund überwiegend mit Mittel- und Osteuropa verbunden ist.

Zu den am stärksten vertretenen Regionen gehören:
– die Slowakei, Ostböhmen, Ungarn und Polen
– deutschsprachige Regionen Mitteleuropas
– der Balkan

Diese Ergebnisse passen bemerkenswert gut zu dem historischen Bild, das sich aus der klassischen Familienforschung ergibt. Das Karpatenbecken war über Jahrhunderte hinweg ein vielfältiger Kulturraum, in dem Ungarn, Deutsche, Slowaken, Südslawen und viele andere Volksgruppen zusammenlebten und sich über Generationen hinweg vermischten.

Ethnizitätsschätzung von MyHeritage

Ethnizitätsschätzung von Ancestry

Aufteilung nach Elternlinien

Ancestry bietet die Möglichkeit, die genetischen Regionen nach väterlicher und mütterlicher Herkunft aufzuschlüsseln.
Da meine Eltern selbst keinen DNA-Test gemacht haben, habe ich diese Zuordnung anhand meiner familiengeschichtlichen Forschung vorgenommen.

Dabei handelt es sich nicht um eine „automatische Wahrheit“, sondern um eine auf Quellen basierende Interpretation. Mithilfe von Kirchenbüchern, Familiennamen und Wanderungsbewegungen habe ich versucht zu bestimmen, welche Regionen wahrscheinlich zur jeweiligen Elternlinie gehören.

Meiner Einschätzung nach stimmt diese Aufteilung sowohl mit den genealogischen Quellen als auch mit den genetischen Ergebnissen überein.

Ancestry – väterliche und mütterliche Herkunftsregionen auf Grundlage familiengeschichtlicher Forschung

Ein kurzer Überblick über die vier Großelternlinien

Die genetischen Ergebnisse betrachte ich immer im Zusammenhang mit der dokumentierten Familiengeschichte.

Die Linie meines Großvaters väterlicherseits

Diese Linie zeigt derzeit ein zweigeteiltes Bild.

Einerseits gibt es einen gut erforschten und dokumentierten Zweig, der mit dem historischen Komitat Trentschin verbunden ist.
Mehrere slowakische Familien lassen sich dort über Kirchenbücher und zahlreiche Generationen hinweg nachvollziehen.

Andererseits gibt es Familiennamen und Herkunftsorte, die bislang ungeklärt sind.
Die Herkunft der Familie Soltész vor ihrem Auftreten in Kunszentmiklós ist derzeit unbekannt, wobei sowohl der Familienname als auch der historische Hintergrund auf eine mögliche deutsche Abstammung hindeuten könnten.
Bei der Familie Meller findet sich in einem Heiratseintrag der Vermerk „ex Prussia“, was auf eine Herkunft aus Preußen und damit höchstwahrscheinlich aus dem deutschsprachigen Raum hinweist.

Diese Linie steht für mich gleichermaßen für gesichertes Wissen und offene Fragen: Ein Teil der Geschichte ist bereits gut erforscht, während ein anderer Teil weiterhin ein spannendes familiengeschichtliches Rätsel bleibt.

Die Linie meiner Großmutter väterlicherseits

Diese Linie ist eng mit der südlichen Tiefebene Ungarns verbunden, insbesondere mit den Orten Szegvár, Szentes, Nagymágocs, Mindszent und der Umgebung von Szarvas.
Hier treffen die Geschichten ungarischer und teilweise slowakischer Familien unterschiedlicher Konfessionen – reformiert, römisch-katholisch und evangelisch – aufeinander.

Die Linie meines Großvaters mütterlicherseits

Diese Linie konzentriert sich vor allem auf die Komitate Tolnau und Somogy.
Sie umfasst sowohl deutsche (donauschwäbische) Familien als auch reformierte ungarische Familien aus Orten wie Diósberény, Hőgyész, Dombóvár, Kaposfő und Somogyjád.

Die Linie meiner Großmutter mütterlicherseits

Dies ist vermutlich die geografisch und kulturell vielfältigste Linie.

Dazu gehören:
– Siebenbürgen (reformierte Familien des ehemaligen Komitats Háromszék)
– das Banat (deutsche Familien sowie Familien der Vinga-Bulgaren)
– die Regionen Baja und Branau mit ihren deutschen Siedlerfamilien

Diese Linie zeigt besonders eindrucksvoll, wie eng die Bevölkerungsgeschichte Mittel- und Südosteuropas miteinander verflochten ist.

DNA-Matches

Für mich sind DNA-Tests nicht nur wegen der Ethnizitätsschätzungen interessant. Ebenso wichtig sind die DNA-Matches – also Personen, mit denen ich nachweisbare gemeinsame DNA-Segmente teile.

Auf allen vier Großelternlinien konnte ich identifizierbare Verwandte finden, deren Verbindung sich zusätzlich durch Kirchenbücher und genealogische Forschung bestätigen ließ.

Dies ist für mich eine wertvolle Bestätigung dafür, dass die klassische Quellenforschung und die genetischen Daten in dieselbe Richtung weisen. DNA ersetzt die Arbeit in Archiven nicht, kann sie jedoch ergänzen, bestätigen und gelegentlich neue Forschungsansätze eröffnen.

Beispiel einer Verwandtschaftsbeziehung, die sowohl durch genealogische Quellen als auch durch DNA-Daten bestätigt werden konnte

Was trägt DNA zu meiner Forschung bei?

Für mich ist DNA kein Ziel, sondern eine Quelle neuer Fragen.

Sie hilft mir dabei,
– bereits dokumentierte Familienbeziehungen zu überprüfen,
– historische Schlussfolgerungen zu bestätigen,
– und Familienzweige zu erforschen, über die bislang nur wenige Informationen vorliegen.

Die genetischen Ergebnisse sagen mir nicht, wer meine Vorfahren waren – diese Geschichte erzählen die Quellen, Dokumente und Familienüberlieferungen.
Die DNA zeigt mir jedoch, dass diese Geschichten tatsächlich in mir weiterleben.

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